Das Offensichtliche ist am schwersten zu finden.
Jedes Mal, wenn ich Software benutze, die richtig gut gemacht ist, denke ich denselben Satz: Na klar, so gehört sich das. Es fühlt sich selbstverständlich an, als hätte es nie eine andere Möglichkeit gegeben.
Und dann macht es jeder nach. Warum auch nicht? Wenn eine Lösung offensichtlich richtig ist, gibt es keinen Grund, sie anders zu bauen. Sie wird zum Standard, und irgendwann kann sich niemand mehr vorstellen, dass es je anders war.
Genau da steckt der Haken. Das Offensichtliche sieht hinterher leicht aus. Es zu finden ist das Schwerste an der ganzen Sache.
Am Anfang ist nämlich nichts offensichtlich. Am Anfang steht der erste Entwurf, und der ist fast nie der richtige. Also kommt der zweite. Man baut etwas, benutzt es selbst, merkt, wo es hakt, und wirft es wieder weg. Man diskutiert im Team, bis jemand den einen Gedanken hat, der alles einfacher macht. Man nimmt so lange Dinge raus, bis nur das übrig bleibt, was wirklich gebraucht wird.
Das dauert. Und Zeit ist genau das, wovon in Projekten am wenigsten da ist. Der bequeme Weg wäre, den ersten brauchbaren Entwurf zu nehmen und weiterzumachen. Funktioniert ja. Aber „funktioniert“ und „selbstverständlich“ sind zwei verschiedene Dinge, und der Abstand dazwischen ist die eigentliche Arbeit.
Alleine kommt man da selten hin. Die besten Lösungen entstehen, wenn mehrere Leute an einem Problem ziehen, jeder aus seiner Ecke, bis der Groschen fällt. Einer sieht die Technik, ein anderer den Nutzer. Und jemand sieht die Kante, an der später alles bricht. Zusammen findet man das Naheliegende, das vorher keiner allein gesehen hat.
Und wenn es so weit ist, sieht man dem Ergebnis die Arbeit nicht mehr an. Der ganze Umweg verschwindet. Übrig bleibt etwas, das sich anfühlt, als wäre es schon immer da gewesen. Das ist für mich der beste Moment in diesem Beruf. Nicht der Launch, nicht das Lob. Der Moment, in dem etwas so einfach wird, dass es niemandem mehr auffällt.
Gute Software merkt man nicht. Das ist kein Zufall. Das ist die Arbeit, die am Ende keiner mehr sieht.